Übersetzungsgerechtes Schreiben – Technische Dokumentation

Autorin: Sarah Schneider, technische Fachübersetzungen / juristische Fachübersetzungen (ermächtigte Übersetzerin für die spanische Sprache, OLG Köln). Kontakt: info@translation-network.de

Wenn Sie die Ihre technischen Unterlagen vor einer Übersetzung nicht nur entsprechend vorbereiten, sondern auch gleich bestimmte Regeln beim Verfassen beachten, macht das nicht nur dem technischen Übersetzer die Arbeit einfacher. Es kann auch dem Auftraggeber der Übersetzung Kosten und Zeit sparen, sorgt für weniger Missverständnisse und Rückfragen und macht die Abwicklung des Übersetzungsauftrages besonders bei technischen Fachübersetzungen reibungsloser.

Nachstehend fassen wir ein paar Tipps zusammen, wie Sie Ihre technische Dokumentation vor der Übersetzung besser vorbereiten.

Vor dem Auftrag: DOKUMENTE RICHTIG VORBEREITEN

Tipp: Liefern Sie den Text in einem bearbeitbarem Format (am besten in Word).

Vorteil: Wir können Ihnen schneller ein Angebot erstellen, da wir den Text nicht erst konvertieren müssen. Außerdem verschiebt sich beim Auslesen mit OCR-Readern oft das Layout. Wenn Sie die Übersetzung dann beauftragen möchten, ist die abschließende Lieferung im Ausgangsformat nur nach zeit- und kostenaufwendiger Nachbearbeitung möglich.

Sollte es einmal nicht möglich sein, ein Worddokument zu liefern, versuchen Sie, ein PDF in bestmöglicher Qualität, ohne Wasserzeichen und Hintergrundtext zu liefern. Sollte auch das nicht möglich sein, können wir Ihren Auftrag natürlich trotzdem bearbeiten – es dauert nur ggf. länger und verursacht ggf. Zusatzkosten.

Beachten Sie auch, dass ein Scan insbesondere dann, wenn Sie eine beglaubigte Übersetzung beauftragen möchten, eine gewisse Mindestqualität aufweisen muss.

Sie möchten ein unverbindliches Angebot einholen oder wir sollen uns Ihre Unterlagen einmal anschauen? Senden Sie uns eine E-Mail: info@translation-network.de

Bei der Beauftragung: GEBEN SIE UNS GENAUE ANWEISUNGEN FÜR DIE ÜBERSETZUNG

Tipp: Geben Sie uns, wenn Sie die Übersetzung in Auftrag geben möchten, so viele Informationen wie möglich.

Das kann sein:

  • Verwendung der Übersetzung: Wird die Übersetzung veröffentlicht? Online oder im Printmedium?
  • Wer soll sie lesen? Also Informationen zum Publikum oder zur Adressatengruppe.
  • Fristen: Wann wird die Übersetzung spätestens benötigt?

Hinweis: Haben Sie es besonders eilig, arbeiten, falls nötig, mehrere Übersetzer an Ihrer technischen Übersetzung. Wir verfügen über die entsprechende technische Ausstattung, um auch große Projekte abwickeln zu können. Die Übersetzer können dabei Terminologiedatenbanken und Translation Memories austauschen, womit wir sicherstellen, dass der Text einheitlich übersetzt wird. Bei dieser Arbeitsweise bleibt es jedoch wichtig, ein abschließendes Lektorat durchzuführen. Und diese Zeit müssen wir ebenfalls einkalkulieren.

  • Format: In welchem Format benötigen Sie die Übersetzung? So können wir ggf. notwendige Nachbearbeitungen durch Formatverschiebungen einkalkulieren.
  • Lektorat: Möchten Sie ein Fachlektorat, beispielsweise durch einen Ingenieur, mit in Auftrag geben? So können wir Zeit und Kosten einkalkulieren und Kapazitäten blocken.

Nun zum eigentlichen Thema dieses Blogartikels: Wie kann ich schreiben, damit eine Übersetzung schneller angefertigt werden kann und eventuell auch günstiger wird?

Es sei vorausgeschickt, dass ich einer Meinung mit Peter A. Schmitt (Handbuch technisches Übersetzen, BDÜ Fachverlag 2016, S. 334):

„Wir Übersetzer, als ausgebildete Textproduktionsprofis, sind durchaus in der Lage […], auf der Grundlage eines suboptimalen AT [Ausgangstexts] einen nach allen Regeln der Kunst wohlgeformten ZT [Zieltext] zu bauen. Das gilt generell, aber insbesondere für das Übersetzen technischer Texte.“

(Handbuch technisches Übersetzen, BDÜ Fachverlag 2016, S. 334)

Es ist also nicht so, dass ein nicht perfekt formulierter Ausgangstext auch zwangsläufig für eine schlechte Übersetzung sorgt. Es sorgt jedoch natürlich, wie man sich vorstellen kann, für Mehraufwand, wenn der Ausgangstext schwer verständlich ist, sprachliche Interferenzen aufweist, keine entsprechende Gliederungen der Sätze durch Kommata erfolgt etc.

Folgende Punkte erleichtern uns die Arbeit, sorgen dafür, dass wir weniger Rückfragen stellen und sie weniger oft mit Fragen behelligen müssen und schneller fertig werden:

  1. Schreiben Sie klar und deutlich.

    Das bedeutet nicht, dass Sie keinen Fachtext mit den entsprechenden Fachtermini schreiben sollen. Versuchen Sie jedoch, keine zu verschachtelten Sätze zu schreiben. Benennen Sie Dinge präzise und stellen Sie klare Bezüge her. Setzen Sie öfter mal einen Punkt.
  2. Verwenden Sie nur einen Fachbegriff je ein Bauteil.

    Das bedeutet, springen und wechseln Sie nicht zwischen Synonymen. Hier ein Beispiel:
    Satz 1: Replacement of equipment container
    Satz 2: Replacement of unit container

    Wir versuchen stets, einheitlich zu übersetzen. Wenn wir erst „herausfinden“ müssen, dass „equipment“ und „unit“ sich auf dasselbe Teil bezieht, kostet das Zeit.
  3. Teilen Sie es uns mit, wenn der Ausgangstext nicht von einem Muttersprachler verfasst wurde.

    Es kommt gerade in der technischen Dokumentation vor, dass Texte auf Englisch verfasst und dann in andere Sprachen übersetzt werden. Dabei arbeiten oft mehrere Ingenieure an einem Dokument und nicht alle sind englische Muttersprachler. Es ist ganz natürlich, dass es dabei zu so genannten Interferenzen der Muttersprache kommt, die uns das Textverständnis erschweren können. Dabei kann es uns schon helfen, die Muttersprache des Verfassers zu kennen. Wenn Sie uns also die Muttersprache des Autors nennen, machen Sie uns die Arbeit einfacher.
  4. Führen Sie eine abschließende Rechtschreibprüfung und Grammatikprüfung inklusive Prüfung der Zeichensetzung durch.

    Je weniger Tipp- und Grammatikfehler der Text enthält, desto schneller können wir ihn übersetzen. Die korrekte Zeichensetzung (insbesondere Kommata) sorgen für einen gegliederten, besser verständlicheren Text. Sollen wir für Ihren Auftrag spezielle Übersetzunsgsoftware oder maschinelle Vorübersetzung einsetzen, ist das übrigens besonders wichtig: die Software bzw. das MÜ-Tool erkennen sonst das Wort nicht korrekt und übersetzen es falsch. Wie wichtig das sein kann, sieht man an diesem Fehler in der Getrennt-/Zusammenschreibung, die bei „first hand“ / „firsthand“ für einen Bedeutungsunterschied sorgt:

Quelle: https://boingboing.net/2017/10/31/headline-fail-kansas-students.html

5. Stellen Sie uns Kontext bereit.

Viele Anhänge technischer Dokumentation bestehen gerne auch einmal aus Wortlisten (beispielsweise bei der Übersetzung einer Ersatzteilliste Englisch < Deutsch). Es ist extrem mühselig, wenn nicht unmöglich, kontextfrei Wortlisten von einer in eine andere Sprache zu übertragen. Wenn Sie einmal das Wörterbuch Englisch < Deutsch für Englisch „bolt“ aufschlagen, finden sich mehrere Möglichkeiten, aus denen sich die richtige nur mit Kontext auswählen lässt. Senden Sie uns also sehr gerne Referenzmaterial mit. Das können andere Unterlagen mit ähnlichem Inhalt sein aber auch zugehörige Dokumente, die aber nicht mit übersetzt werden müssen. Das macht uns die Arbeit wesentlich einfacher. Halten Sie sich vor Augen: Übersetzer tauschen nicht einfach Wörter aus. Es werden immer Kontexte, nie einzelne Wörter übersetzt.

6. Wenn Sie bereits interne Glossare oder Wortlisten haben, stellen Sie sie uns zur Verfügung.

Wir können Ihre interne Terminologie in unserer Übersetzungssoftware in einer eigens und nur für Sie angelegten Terminologiedatenbank speichern. So stellen wir sicher, dass auch bei Folgeaufträgen diese Fachtermini wieder konsistent übersetzt werden. Die Wortlisten können wir erweitern und im Word-Format / PDF exportieren und Ihnen zur Verfügung stellen.

Und zum Schluss: Wenn Sie insbesondere wissen möchten, wie die Übersetzung für Sie günstiger wird, haben wir diese Empfehlungen für Sie:

Tipp: Verwenden Sie Textbausteine und Standardformulierungen

Vorteil: Wir übersetzen Ihre Texte, sofern Sie dem zustimmen, mit einer Übersetzungssoftware, die in einem Translation Memory, einem eigens für Ihr Unternehmen angelegten Speicher die übersetzten Segmente (zumeist Sätze oder Teilsätze) speichert. Wenn Sie Textbausteine oder Standardformulierungen verwenden, erkennt der Speicher bei einem Folgeauftrag diesen Baustein und setzt ihn direkt ein. Damit wird die Übersetzung kostengünstiger, da wir den Baustein nur noch lektorieren müssen. Dabei müssen wir nur prüfen, ob er sich in den Kontext einfügt, oder ob ggf. eine kleine Änderung notwendig ist. Je mehr dieser Wiederholungen es im Text gibt, desto kostengünstiger wird die Übersetzung für Sie. Es gibt auch spezielle Software, die beim Verfassen, Speichern und Einfügen dieser Bausteine hilft.

Tipp: Generisch schreiben

Vorteil: Ganz kostenbewusste Unternehmen können auch versuchen, generisch zu schreiben, um die Anzahl dieser Wiederholungen zu erhöhen. Dabei muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Verständlichkeit des Textes nicht darunter leidet, das hätte dann wieder den Effekt, dass wir lange brauchen, um ihn zu übertragen.

Ein Beispiel könnte so aussehen:

Anstatt:              Die Einheiten sind nicht mit einem Filter ausgestattet.

Schreiben Sie:   Die Einheiten sind nicht mit diesem Element ausgestattet.

Was macht die Übersetzung noch schneller und ggf. auch günstiger:

Tipp: Wählen Sie aus

Muss wirklich alles übersetzt werden, oder benötige ich nur einen Teil?

Tipp: Maschinelle Vorübersetzung mit Postediting:

Kann ein Teil maschinell vorübersetzt und dann nachbearbeitet werden? Das ist nur unter ganz bestimmten Bedingungen empfehlenswert, mehr dazu erfahren Sie hier.

Gern unterstützen wir Sie bei Interesse auch dabei, übersetzungsgerechter zu schreiben. Wir können Ihnen beispielsweise Infoblätter mit Beispielen zusammenstellen oder auch eine kleine Inhouse-Schulung bei Ihnen im Unternehmen oder als Webinar ausrichten. Sprechen Sie uns an.

info@translation-network.de


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